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10.03.2011 | 18:08 Uhr
Kulturkonzept
Spagat zwischen Tradition und Moderne. Das Kulturkonzept für die Landeshauptstadt ist auf den Weg gebracht.
Der Stadtrat hat in seiner März-Sitzung 2011 einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu einem Kulturkonzept vollzogen. Das von der Arbeitsgruppe vorgelegte Papier "Zukunft der Kultur – Kultur der Zukunft" fand einhellige Zustimmung.
Ein kurzer Rückblick: Die AG hat zwei Jahre gearbeitet, es gab 25 Beratungen, ein World-Café mit fast 200 Teilnehmern, ein sehr gut besuchtes Zukunftsforum und fünf öffentliche Themenabende zu den Handlungsfeldern. Zudem fast 3.000 Besucher auf der dafür eingerichteten Website. Die Einbeziehung aller Interessenten war gewollt. Allen die mitgemacht haben, ist zu danken.
Kennzeichnend für den Prozess der Erarbeitung waren außerdem die sehr kontroverse Diskussion und dennoch das Bemühen um Konsens, die Aufnahme der Anregungen von Kulturproduzenten, Kulturvermittlern und Kulturproduzenten sowie die Transparenz des Arbeitsprozesses.
Was nun vorliegt sind eine Präambel, ein Leitbild, zwölf Leitlinien und fünf Handlungsfelder. Damit sind die Rahmenbedingungen beschrieben für die Spezifizierung und Umsetzung des Konzepts durch die Verwaltung bis zum Ende des Jahres 2011. Ein riesiger Aufgabenberg steht vor den Mitarbeitern der Kulturdirektion, vor dem neuen Kulturdirektor und vor der verantwortlichen Dezernentin. Die Arbeiten sind schon im vollen Gange. Es geht um Umstrukturierung, Reorganisation und Personalausstattung der Kulturverwaltung. Wir werden als Arbeitsgruppe diesen Prozess kritisch begleiten und die Öffentlichkeit immer wieder einbeziehen.
Es war uns wichtig, dass es kein Sparkonzept wird, dass es einen sehr breiten Kulturbegriff unterstellt, und dass es hinreichend offen ist und auch nicht absehbare Entwicklungen ermöglicht.
Wir sind davon ausgegangen, dass Kulturpolitik kein nachgeordnetes Politikfeld ist, sondern ebenso bedeutsam für das Leben und die Zukunftsfähigkeit einer Kommune, wie Soziales, Wirtschaft, Bau und Verkehr. Wird sie engagiert und ambitioniert betrieben, dann ergeben sich zahllose und vielfältige Konsequenzen und Weiterungen für das urbane Leben.
Kunst und Kultur sind nicht Instrumente, nicht bloße Mittel unter vielen, sondern Grundlage und Grundbedingung des Zusammenlebens, Bindeglieder zwischen Vergangenheit und Zukunft der Gesellschaft. Aus diesem Kontinuum erwächst das identitätsstiftende und emanzipatorische Potential für die Bürgerinnen und Bürger.
Kunst und Kultur mobilisieren das kreative Reservoir einer Stadt, schaffen Kommunikation und brauchen Kommunikation, sind Voraussetzungen für ein offenes und tolerantes Miteinander in der Bürgergesellschaft.
Auf kaum einem anderen Gebiet kommunaler Politik und Verwaltung hat die Stadt einen so großen Gestaltungsspielraum. Den Autoren ist freilich bewusst, dass die tatsächliche Entwicklung von Kultur und Kunst nicht Konzepten folgt, sondern aus eigenständigen und kaum abbildbaren Ursachen und Bedingungen hervorgeht. Das Kulturkonzept sollte deshalb so gestaltet sein, dass es Entwicklungsmöglichkeiten befördert, es muss zukunftsfähig sein.
Die zwölf Leitlinien beschreiben wo es hingehen soll, z. B.:
· Die Kultur ist als ressortübergreifendes Handlungsfeld etabliert.
· Die Kulturverwaltung ist so strukturiert, dass sie den kulturellen Vermittlungsauftrag umfassend erfüllen und den Serviceaspekt für Kulturproduzenten, Kulturvermittler und Kulturkonsumenten effizient bedienen kann.
· Angestrebt wird die größtmögliche Partizipation an Kunst und Kultur.
· Es gibt Vermittlungskonzepte die den Zugang zu kulturellen Einrichtungen erleichtern.
· Erfurt soll für Kunst- und Kulturproduzenten attraktiver gemacht werden.
Ein weiteres Ergebnis ist zudem, dass es im Verlauf der Erarbeitung des Kulturkonzepts, nicht zuletzt durch die damit verbundenen öffentlichen Diskussionen, zu erfreulichen Entwicklungen in der Jugendkultur und in der freien Szene gekommen ist. Auch zu einer größeren Aufgeschlossenheit gegenüber Projektanträgen durch die Verwaltung. Erfreulich auch die vielen Zwischennutzungen leer stehender Gebäude durch kulturelle und künstlerische Initiativen, z. B.: in der Magdeburger Allee, in der Johannesstraße aber auch in der Defensionskaserene auf dem Petersberg.


