von René Lindenberg, Stellv. Kreisvorsitzender

28.05.2009 | 17:39 Uhr

28 Euro?

Eigentlich konnte ich es nicht richtig glauben. Ein Arzt in der Bundesrepublik Deutschland soll nur zwischen 28 und 30 Euro pro Patient und Quartal erhalten? Die letzten Wochen boten allerlei solcher Berichte in allen möglich Medien. Doch hält diese Behauptung einer genaueren Betrachtung stand? Ich habe versucht in die Welt der Arztabrechnungen "einzutauchen".

Zunächst einmal steht jedem Arzt für so genannte Regelleistungen ein bestimmtes Finanzvolumen zur Verfügung. Dieses berechnet sich aus den Fallzahlen (Anzahl der Patienten) des Vorjahrsquartals und wird mit einer Fallpauschale, die je nach Region und Arzt eben zwischen diesen 28 und 30 Euro liegt, multipliziert. Von diesem Budget werden die erbrachten Leistungen des aktuellen Quartals entsprechend der Vergütungstabelle abgezogen. Wenn das Budget erschöpft ist, dann behandeln die Ärzte nicht etwa - wie gern behauptet wird - umsonst, sondern erhalten einen entsprechend reduzierte Vergütung für die erbrachten Leistungen. Neben diesen Leistungen aus dem so genannten Regelleistungsvolumen mit Mengensteuerung, gibt es auch Regelleistungen der gesetzlichen Krankenkassen, die keiner Mengensteuerung unterliegen. Dies sind z.B.: sämtlich Präventionsleistungen, ambulante Operationen, dringende Hausbesuche, Leistungen im Notfall oder auch Akupunkturleistungen. Neben diesen Einnahmen von den Gesetzlichen Krankenkassen, ergeben sich zusätzlich durchschnittlich etwa 10% Einnahmen (in Ostdeutschland) aus privatärztlicher Tätigkeit.

Das durchschnittliche zu versteuernde Einkommen eines freiberuflichen Arztes liegt damit bei ca. 100.000 Euro im Jahr. Damit liegen die Ärzte an der Spitze der Berufsgruppen was - um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen - auch gerechtfertigt ist und so in Ordnung geht. Natürlich gibt es, was die verschiedenen Facharztgruppen und auch die unterschiedlichen Regionen angeht Unterschiede beim Einkommen (was auch in anderen Branchen nicht unüblich ist). Alles in allem stellt sich die Einkommenssituation der Ärzte aber doch nicht so schlecht dar, wie von einigen behauptet wird.

Das zusätzlich einige Standesvertreter die Politik für vermeintlich zu geringe Honorare verantwortlich machen wollen, kann nur mit dem Signet "falscher Empfänger" betitelt werden. Richtig ist, das die Kassenärztlichen Vereinigungen der Ärzte für die Zusammenstellung und Berechnung der jeweiligen Honorare mit verantwortlich sind. Dass einige Ärzte zusätzlich ihre Patienten durch so genannte "Streiks" in Haftung nehmen, ist damit vergleichbar, wenn ein Handwerksbetrieb in Auseinandersetzung um den Beitrag für seine Innung, seinen Kunden die Leistungen verweigern würde.

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