WEITERLESEN
21.04.2009 | 08:08 Uhr
Dicke da!
Normalität sieht anders aus. Der 20. April 2009 sollte also der Tag der triumphalen Rückkehr des Ministerpräsidenten ins Amt werden. Doch was bekamen wir geboten? Ein schlechtes Schauspiel, nicht mehr und nicht weniger. Zunächst eine Pressekonferenz am Beginn des Tages, in dem der Hauptdarsteller gestanzte Sätze auswendig gelernt hatte und sie ohne jede Gefühlsregung wiedergab. Wirft man der Politik und einzelnen Politikern zuweilen eine populistisch-emotionale Show vor, so haben gestern das totale Gegenteil davon gesehen. Keine Spur von Emotionen. Doch hätten gearde die gut getan und ein Stück Normalität bedeutet.
Nach der Pressekonferenz durften wir das erleben, was uns wohl in den kommenden Wochen und Monaten häufiger bevorstehen dürfte. Der Ministerpräsident beim Firmenbesuch, der Ministerpräsident bei einer Eröffnung von Irgendetwas und der Ministerpräsident im „Interview“ beim MDR. Die abendliche Plauderei im Mitteldeutschen Rundfunk unter dem Titel „Fakt ist…“ vollendete diesen Tag standesgemäß. Die beiden Fragensteller fanden heraus, wie sich der Ministerpräsident denn so fühlt nach diesem ersten Arbeitstag, weil das ja interessant ist, da es ja vielen „nach einem Urlaub oder eine Krankheit“ ähnlich gehe. Außerdem erfuhren wir, dass der Ministerpräsident viele Gespräche führte und am nächsten Tag in Leipzig und am übernächsten in Hannover ist und auch dort viele Gespräche führen wird. Der Ministerpräsident treibt außerdem gern allerlei Sportarten, um zu wissen, wie sich andere Freizeit-Sportler bei diesen so fühlen und die Fragen nach tatsächlichen politischen Kernpunkten sind „Oppositionsverhalten“. Der Informationsgehalt der fast einstündigen Sendung war so für den geneigten Zuschauer nahezu null und so wurde die Sendung mit der Feststellung beschlossen „dass der Ministerpräsident wieder dicke da sei“. Was bleibt uns nach diesem ersten Tag des Ministerpräsidenten im Amt und der abschließenden Sendung im MDR: Eine große Leere und das Gefühl an einem Tiefpunkt der politischen Berichterstattung teilgehabt zu haben.


